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Oder: Warum Wurst und Fleisch im Mittelpunkt nicht billiger werden wird.

In der letzten Zeit verfolge ich wieder mal sehr interessiert die Meldungen um das Thema Fleisch und um die Sorgen der Bauern. Dabei muss ich immer wieder feststellen, dass wir uns im Kreis drehen, weil wir die unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut bringen wollen:

So, und wo liegt jetzt das Problem? Ganz einfach: Man kann nicht immer alles haben wollen, das am besten sofort, und von hier und dann noch billig.

In Deutschland und in den meisten Ländern Europas wird ein vernünftiger Lohn bezahlt, die Arbeitsbedingungen sind im allgemeinen gut und unser Lebensstandard ist hervorragend.

Kühe mit HörnernIm Mittelpunkt haben wir es uns auf die Fahne geschrieben, dass wir versuchen werden, so viel wie möglich Lebensmittel zu bekommen, von denen wir wissen, wer dahintersteht:

Unser Wurst- und Fleischsortiment kommt zu 95 % aus regionaler Aufzucht und Schlachtung. Die Tiere kommen von Höfen aus dem Kinzigtal, dem Vogelsberg und der Rhön. Ich kenne die Betriebe und arbeite schon seit Jahren mit Ihnen zusammen. Ihr Bestreben ist es, die Tiere gut und ordentlich aufzuziehen und das Futter von der eigenen Wiese und vom eigenen Acker zu bekommen. Die meisten arbeiten möglichst umweltschonend, die Mitarbeiter sind vorwiegend aus dem Umland und die geltenden Gesetze werden eingehalten.
Das nennt man kurze Wege, Regionalität, Vertrauen und Beschäftigungssicherheit in der Region. Hier bestimmt der Landwirt noch, was er braucht, um ein faires Produkt zu erwirtschaften.

Wie gerade jetzt von den Schweinezüchtern zu erfahren ist, sind die Schlachtpreise weit in den Keller gerutscht. Damit die Betriebe trotz dieser Situation das Geld bekommen, das sie aufgrund ihrer Leistung verdienen, hat sich unser Metzger Volker Eurich dazu entschlossen, die Preise auf dem Niveau zu lassen, wie es in den letzten Jahren war. Das bringt dem Landwirt die Sicherheit, dass seine Schweine und Rinder abgenommen werden. Und dazu noch zu einem Preis, von dem er leben kann. Diese Erzeuger haben es gut, sie sind meistens nicht abhängig von der Industrie, die die Preise diktiert oder Forderungen stellt, die man in der Praxis nicht erfüllen kann.

Das unterstützen wir, indem wir unsere Preise ebenfalls beibehalten. Darum werden die Preise im Mittelpunkt mittelfristig nicht unter das Niveau sinken, auf dem sie jetzt sind.

Rinderfarm im Amazonasgebiet (© Greenpeace)Bei uns werden sie auch nicht das leckere argentinische oder brasilianische Fleisch von Rindern aus Freilandhaltung bekommen. Behandelt mit Antibiotika und gehalten auf riesigen, "schönen", braunen Flächen, auf denen kein Grashalm mehr steht. Ohne Unterstand bei großer Hitze.
Für diese Form von Viehzucht und für die Gewinnung des dafür notwendigen Futters (meist Mais oder Soja) werden große Flächen kostbaren Regenwaldes im Amazonasgebiet abgeholzt, womit ökologisch unglaublich wichtige Biotope unwiederbringlich verloren gehen.

Nein, wir wollen nicht zum Sterben des Regenwaldes beitragen.

Wir bleiben im Main-Kinzig-Kreis. Das genügt voll und ganz.

Ihre/Eure Simone Bienossek


PS: Auf dem Fleischmarkt lag der Schlachtpreis für ein Kilo Schweinefleisch Anfang 2021 bei € 1,20.